Energiemarkt:
Die US-Rohöllagerbestände haben in der letzten Woche einen signifikanten Rückgang verzeichnet, was für den Markt überraschend kam, da viele professionelle Marktteilnehmer einen Lageraufbau erwartet hatten.
Trotz des Rückgangs der Rohölvorräte und der Benzin- sowie Destillatebestände scheinen die Ölpreise nicht stark darauf reagiert zu haben, möglicherweise aufgrund der höheren Netto-Rohölimporte und der schwächeren Nachfrage nach Benzin und Destillaten.
Es ist interessant zu sehen, dass die Rohölvorräte immer noch unter dem 5-Jahresdurchschnitt liegen, während die Benzinvorräte leicht darüber liegen.
Die bevorstehenden Entscheidungen über die Importzölle auf Rohöl aus Kanada und Mexiko könnten einen erheblichen Einfluss auf den Markt haben.
Der Rückgang des Preisabschlags für die kanadische Ölsorte WCS gegenüber WTI deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer optimistisch sind, dass die Zölle nicht erhoben werden.
Dies könnte auch mit der Situation in Venezuela zusammenhängen, wo ein Wegfall der Öllieferungen erwartet wird, was kanadisches Öl als wertvolle Alternative für die US-Raffinerien positioniert.
Die Tatsache, dass der Preisabschlag auf weniger als 10 USD gefallen ist, zeigt, dass die Marktteilnehmer möglicherweise eine Stabilität in den Importbedingungen erwarten.
Sollte es jedoch zu den angekündigten Zöllen kommen, könnte dies die Preisdifferenz wieder erhöhen und die Raffinerien vor neue Herausforderungen stellen.
Der europäische Gasmarkt und der EU-Emissionshandel waren im März eng miteinander verbunden, aber der CO2-Preis ist kürzlich unter Druck geraten.
Der Rückgang des CO2-Preises auf unter 70 EUR je Tonne könnte tatsächlich mit der bevorstehenden Veröffentlichung der verifizierten Emissionen für 2024 zusammenhängen. Wenn die Emissionen im vergangenen Jahr gesunken sind, könnte dies den Bedarf an Emissionsrechten verringern, was den Preis unter Druck setzt.
Die Daten von Ember zeigen, dass die EU-Stromerzeugung aufgrund einer geringeren Kohleverstromung um 9% zurückgegangen ist, was die allgemeine pessimistische Stimmung verstärken könnte.
Interessanterweise haben einige Industriesektoren, wie die Aluminium- und Stahlindustrie, ihre Produktion erhöht, was zu einem höheren Bedarf an Emissionsrechten führen könnte.
Dennoch machen diese Sektoren nur einen Teil der im EU ETS erfassten Emissionen aus, sodass insgesamt mit einem spürbaren Rückgang der Emissionen gerechnet wird.
Industriemetalle:
Die Entwicklungen am Kupfermarkt sind in der Tat sehr spannend! Die Rallye, die bis zur Wochenmitte anhielt, wurde durch die Sorgen über mögliche US-Importzölle auf Kupfer angetrieben.
Der Anstieg der Kupferpreise auf Rekordhöhen, sowohl an der New Yorker Comex als auch an der LME, zeigt, wie stark die Marktteilnehmer auf die bevorstehenden politischen Entscheidungen reagieren.
Die Spekulationen über eine rasche Einführung der Zölle, möglicherweise schon Anfang Mai, haben die Dringlichkeit für US-Käufer erhöht, Kupfer vor der möglichen Zollverhängung zu importieren. Ein Importzoll von 25% würde die Kosten erheblich erhöhen, was die Kaufentscheidungen beeinflusst.
Die hohe Prämie von Kupfer an der Comex im Vergleich zur LME, auch wenn sie unter dem potenziellen Zoll liegt, zeigt, dass die Käufer bereit sind, für die Sicherstellung ihrer Lieferungen zu zahlen.
Es ist auch wichtig zu beachten, dass die physische Nachfrage nach Kupfer die Preise stark nach oben getrieben hat. Sollte der Zoll tatsächlich eingeführt werden, könnte dies zu einem Rückgang der Kupferpreise führen, da die Nachfrage möglicherweise sinkt.
Die aktuellen Zahlen zur weltweiten Stahlproduktion zeigen tatsächlich einen deutlichen Rückgang im Februar, was auf verschiedene Faktoren hindeutet.
Mit einer Produktion von 144,7 Millionen Tonnen, die 4,4 Prozent unter dem Januar und 2,8 Prozent unter dem Vorjahresmonat liegt, ist dies ein bemerkenswerter Rückgang.
Besonders auffällig sind die starken Rückgänge in Ländern wie Deutschland und Japan, während Südkorea, Russland und Indien ihre Produktion steigern konnten.
Die Stahlproduktion in den USA hat mit 6,0 Millionen Tonnen den niedrigsten Stand seit Sommer 2020 erreicht.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Februar traditionell ein schwacher Monat für die Stahlproduktion ist. Daher könnte dieser Rückgang nicht unbedingt den Beginn eines langfristigen Trends darstellen.
Die positiven Signale aus China, wo die 10-Tages-Daten für März bereits einen Anstieg der Stahlproduktion um rund 10% im Vergleich zum Vorjahr zeigen, könnten darauf hindeuten, dass sich die Situation bald verbessern könnte.
Edelmetallmarkt:
Die aktuellen Daten zum Goldhandel zwischen Hongkong und China zeigen tatsächlich eine sehr schwache Goldnachfrage in China.
Der signifikante Anstieg der Goldexporte Chinas nach Hongkong auf das höchste Niveau seit 10 Jahren deutet darauf hin, dass die Händler versuchen, überschüssiges Gold zu verkaufen, um von den höheren Weltmarktpreisen zu profitieren.
Dies ist besonders bemerkenswert, da die Goldimporte Chinas aus Hongkong nur leicht gestiegen sind, nachdem sie im Januar auf ein sehr niedriges Niveau gefallen waren.
Die Tatsache, dass es bereits im Januar zu Netto-Goldexporten von China nach Hongkong kam, ist ein weiteres Indiz für die schwache Nachfrage.
Solche Netto-Exporte waren zuvor nur während der Corona-Pandemie zu beobachten, als die Lieferketten unterbrochen waren.
Es scheint, dass die Goldhändler in China auf die schwache Nachfrage reagieren, indem sie Gold in andere Märkte exportieren, anstatt es im Inland zu verkaufen.
Die Importe aus China betrugen 7 Tonnen, während die Importe aus Hongkong auf 14 Tonnen stiegen. Dies deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach Gold in diesen Märkten schwach bleibt, was die Händler dazu veranlasst, Gold aus Hongkong und der Schweiz zu exportieren, um von den höheren Weltmarktpreisen zu profitieren.
Die Handelsdaten der Schweizer Zollbehörde unterstützen dieses Bild, da die Goldexporte nach China und Hongkong im Februar zum Erliegen kamen, während die Importe aus diesen Regionen anstiegen.
Agrarmarkt:
Die Entscheidung der Elfenbeinküste, die vertraglichen Kakaoverkäufe im Erntejahr 2025/26 auf 1,3 Millionen Tonnen zu beschränken, ist in der Tat ein bedeutender Schritt, insbesondere angesichts der niedrigeren Ernten in den letzten beiden Jahren.
Der Rückgang um 400.000 Tonnen im Vergleich zu den üblichen Verkaufszahlen spiegelt die Herausforderungen wider, mit denen die Kakaoproduzenten konfrontiert sind.
Die Tatsache, dass 70-80 Prozent der Kakaoernte normalerweise im Voraus verkauft werden, zeigt, wie wichtig diese vertraglichen Vereinbarungen für die Stabilität der Branche sind.
Die Erntezahlen der letzten Jahre, die von 2,3 Millionen Tonnen im Erntejahr 2022/23 auf nur 1,75 Millionen Tonnen im darauffolgenden Jahr gesunken sind, verdeutlichen die Schwierigkeiten, mit denen die Produzenten zu kämpfen haben.
Es ist interessant zu beobachten, dass trotz der Meldung über die verringerten Exportmengen die Kakaopreise an den Börsen in New York und London stabil geblieben sind.
Dies könnte darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer bereits mit den niedrigeren Ernten gerechnet haben und die Preisanpassungen in den vergangenen Monaten bereits eingepreist wurden.
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Michael Neumann
Chief Executive Officer