👉 Energie:
Der Ölmarkt blieb in dieser Woche stark von der Nachrichtenlage rund um den Konflikt zwischen den USA und dem Iran geprägt. Hoffnungen auf ein mögliches Rahmenabkommen sorgten zeitweise für Entspannung: Der Brentpreis rutschte erstmals seit Mitte April wieder unter 95 USD je Barrel. Zuvor hatten wechselseitige Angriffe der Konfliktparteien die Risikoprämie am Markt erneut erhöht und die Notierungen zwischenzeitlich wieder nach oben getrieben.
Am gestrigen Nachmittag setzten die Preise dann deutlich zurück, nachdem Berichte über eine Verlängerung des Waffenstillstands um 60 Tage aufgekommen waren. Zudem hieß es, eine unbeschränkte Schifffahrt durch die Straße von Hormus könne Teil der Vereinbarung sein – ein entscheidender Punkt, weil die Passage als Nadelöhr für den globalen Öltransport gilt. Parallel dazu sollen die Gespräche über das iranische Atomprogramm in den kommenden Wochen fortgesetzt werden.
Noch ist die Lage jedoch nicht belastbar: Eine Zustimmung durch US‑Präsident Trump steht ebenso aus wie eine offizielle Bestätigung aus Teheran. Damit bleibt das Muster der vergangenen Monate bestehen: Kursausschläge werden weniger durch klassische Angebots‑ und Nachfragesignale als durch politische Schlagzeilen am Persischen Golf bestimmt. Solange keine verlässliche, überprüfbare Einigung vorliegt, dürfte sich daran kurzfristig wenig ändern. Enttäuschen sich die Hoffnungen erneut, kann die Risikoprämie schnell zurückkehren – und die Preise ebenso.
Zusätzlichen Einfluss könnten in der kommenden Woche anstehende Fundamentaldaten haben. Sollten diese erneut ein angespanntes Marktbild zeichnen, würde das die Abwärtsbewegung begrenzen und die Sensibilität des Marktes für neue Eskalationsmeldungen weiter erhöhen.
👉 Edelmetallmärkte:
Der Goldpreis ist nach Meldungen über eine Verlängerung der Waffenruhe im Iran-Krieg deutlich gestiegen und lag am Morgen bei rund 4.520 US-Dollar je Feinunze, nachdem er am Vortag noch unter 4.400 US-Dollar notiert hatte.
Damit verhält sich Gold weiter nicht wie klassischer sicherer Hafen, sondern bewegt sich eher entgegengesetzt zum Ölpreis, der spürbar nachgab. Grund: Markt hält weitere Zinserhöhungen Fed weniger wahrscheinlich; Gold profitiert als zinslose Anlage davon. Erwartungen aus Fed-Funds-Futures für US-Leitzins Ende Jahr sanken seit Wochenbeginn um etwa 10 Basispunkte.
Zusätzlicher Schub kam aus Hongkong: Netto-Goldlieferungen nach China stiegen im April auf 86,7 Tonnen, doppelt so viel wie Vorjahr, gut 80% mehr als Vormonat und höchster Monatswert seit über neun Jahren.
👉 Industriemetalle:
Auch wenn es vereinzelt diplomatische Kontakte und deeskalierende Signale gibt, bleibt Gesamtlage im Nahen Osten aus heutiger Sicht fragil. Entscheidend ist, dass aus Signalen noch keine belastbaren, überprüfbaren Vereinbarungen folgen. Deshalb rechnen Volkswirte für die Golfregion in den kommenden rund zwei Monaten weiterhin mit erhöhter Unsicherheit: Risiko von Zwischenfällen, kurzfristigen politischen Kurswechseln und spürbaren Störungen bei Energie, Transport und Versicherungen.
Diese Unsicherheit schlägt sich als Risiko- und Logistikprämie in Rohstoffpreisen nieder. Bei Aluminium ist Ausgangsniveau derzeit hoch, etwa bei 3.650 USD je Tonne. Kurzfristig erwarten wir eher eine zähe Seitwärtsphase mit begrenztem Rücksetzerpotenzial - Baseline Richtung 3.600 USD, sofern Lage nicht deutlich eskaliert oder sich überraschend schnell entspannt.
Erst im Verlauf zweite Jahreshälfte sehen wir realistischere Chancen auf Entlastung: stabilere Lieferketten, normalere Frachtraten, weniger Störimpulse. In diesem Szenario wäre ein Rücklauf in Richtung 3.500 USD plausibel. Für 2027 wäre dann eher Stabilisierung um ungefähr 3.500 USD wahrscheinlich, allerdings weiterhin über früheren Normalniveaus, weil strukturelle Kosten (Energie, Logistik, Regulierung) höher bleiben.
Kupfer dürfte kurzfristig stärker schwanken: Risikoaversion und wechselnde Industriestimmung können Preise drücken, selbst wenn Fundamentaldaten solide wirken. Mittelfristig bleibt Kupfer jedoch durch Elektrifizierung, Netzausbau und Energiewende tendenziell unterstützt; Rücksetzer wären in diesem Bild eher zyklisch als dauerhaft, solange keine deutliche globale Wachstumsdelle entsteht.
👉 Agrarmärkte:
Der Kakaopreis zeigt zuletzt starke Ausschläge zwischen Sorgen um Knappheit und Zeichen von Überangebot. Im Mai stieg Preis an Rohstoffbörse ICE in New York deutlich und kletterte bis auf 4.780 US‑Dollar je Tonne, höchster Stand seit knapp vier Monaten. Treiber waren Befürchtungen, dass Wetterphänomen El Niño sowie stark gestiegene Düngemittelpreise Ernten in Westafrika belasten könnten.
Das wäre besonders kritisch, weil Elfenbeinküste und Ghana zusammen rund Hälfte weltweiten Kakaoangebots liefern; spürbare Ernteausfälle dort könnten wie schon früher Angebot verknappen und Preise hoch treiben.
Diese Knappheitsangst ließ jedoch schnell nach. Nur wenige Tage später fiel Preis wieder unter 4.000 US‑Dollar je Tonne. Grund: Aktuell deutet Markt eher auf Überangebot hin.
Die Nachfrage gilt als schwach, während gleichzeitig mehr Ware verfügbar wird bzw. Angebot zunimmt. Zusätzlich richtet sich der Blick auf den neuen Quartalsbericht Internationale Kakaoorganisation, der möglicherweise erste Schätzungen dazu enthält, wie groß Überschuss im laufenden Erntejahr 2025/26 ausfallen könnte.
Insgesamt bewegt sich Preis damit zwischen zwei Gegensignalen: möglicher Ernteprobleme einerseits und derzeit eher reichlicher Versorgung bei schwächerer Nachfrage andererseits.
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